Kurz nach meiner Ausbildung zur Köchin und Kellenerin – damals war das ein Ausbildungsgang – lernte ich meinen heutigen Mann Dietmar kennen. Es zog uns zusammen nach Paris. Zwei Jahre blieben wir dort und saugten alles über die französische Küche in uns auf. Nach unserer Rückkehr arbeiteten wir im Betrieb meiner Schwiegereltern – dem damaligen Gasthof Hubertus. Dietmar und meine Schwiegermutter führten die Küche, ich kümmerte mich um den Service und die Gäste. Als meine Schwiegermutter starb, übernahm ich die Küche. Das war 1984.
Die erste erfolgreiche Saison feierten wir mit einem Essen bei den Gebrüdern Obauer in Werfen. Dieses Essen würde ich als mein Schlüsselerlebnis bezeichnen.
Der Wunsch, eine feine Küche auf hohem Niveau anzubieten, war geweckt.
Ich hospitierte bei Dieter Müller, Hans Haas, André Jäger und Jean-Georges Vongerichten und holte mir viele Anregungen. Bei all diesen unterschiedlichsten Einflüssen, die sicher auch ihren Ausdruck finden, ist meine Küche weder französisch, noch asiatisch oder regional. Es ist einfach meine Küche. Ich lege all meine Kraft in das, was ich schmecken will, in das was ich fühlen will, in das woran ich glaube. Und ich freue mich besonders, dass dies von meinen Gästen honoriert wird. Seit 2006 hält unser Haus außerdem 2 Sterne – ebenfalls eine schöne Bestätigung. Und die Auszeichnung zum Grand Chef Relais & Châteaux krönt meine Bemühungen.
Was war Ihr emotionalstes kulinarisches Erlebnis?Als man mich bei
Thomas Keller in New York rausgeschmissen hat, weil ich nicht elegant genug gekleidet war, mich
Thomas Keller zurückholte, auf ein Glas Champagner einlud und dafür sorgte, dass ich nicht irgendeinen, sondern den besten Platz bekam, mit Blick über New York.
Was war für Sie der amüsanteste Zwischenfall in Ihrer Küche?Zurück von Paris kochte ich sofort ein Vanille-Sabayon, worauf mein Schwiegervater meinte: Da ist ja Russ drinnen!
Was würden Sie Hobbyköchinnen und -köchen raten?Sich selbst treu bleiben und dabei nie aufhören, wandelbar und lebendig zu sein. Kochen ist nie zu Ende, Geschmacksvielfalt ist grenzenlos, der Garten der Natur ist unerschöpflich. Es muss jeden Tag aufs Neue ein Schnuppern, ein Schmecken, ein Experimentieren, ein sich Herantasten an das Perfekte sein.